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Velanora Memorial Registry

Schweiz (DE) — Hilfe & Ratgeber

Trauerbegleitung & Unterstützung (Deutschschweiz)

Trauer ist kein Problem, das man „lösen“ kann. Manche Menschen weinen viel, andere fühlen sich leer, wütend, taub oder wie im Autopilot. Trauer kann in Wellen kommen: an manchen Tagen scheint es „okay“, dann kommt sie wieder plötzlich zurück. Das ist normal — und sagt nichts über Ihre Liebe oder Ihre Beziehung aus.

Diese Schweiz-Seite (DE) gibt Ihnen konkrete Orientierung: was in den ersten Tagen hilft, wann es sinnvoll ist, professionelle Unterstützung zu holen, wie man Kinder begleitet, und wo Sie in der Schweiz seriöse Hilfe finden (Anlaufstellen, Telefonlinien, Selbsthilfe).

Für praktische Schritte nach einem Todesfall (Formalia, Organisation, etc.) siehe Was tun nach einem Todesfall? oder zurück zum Hub Schweiz (DE) — Hilfe & Ratgeber (oder Schweiz — Sprachauswahl).

Akute Hilfe in der Schweiz

Wenn Sie sich nicht sicher fühlen, wenn Sie Suizidgedanken haben, oder Angst haben, sich etwas anzutun: holen Sie sofort Hilfe.

  • Unmittelbare Gefahr: 112 oder bei medizinischem Notfall 144.
  • Jetzt mit jemandem sprechen: Die Dargebotene Hand — 143 (anonym, vertraulich, 24/7).
  • Für Kinder/Jugendliche: Pro Juventute — 147 (24/7).
  • Nach einem traumatischen Ereignis (Unfall, Gewalt): Opferhilfe (kantonal) — suchen Sie „Opferhilfe“ + Kanton.

Wichtige Nummern (Schweiz)

Notruf — Europaweit

Telefon: 112

Bei akuter Gefahr oder unmittelbarem Notfall (lebensbedrohlich, Gewalt, Suizidgefahr).

Sanitätsnotruf / Ambulanz (medizinischer Notfall)

Telefon: 144

Akute medizinische Notlage, schwere Krise, Bewusstlosigkeit, unmittelbare Gefahr.

Polizei

Telefon: 117

Feuerwehr

Telefon: 118

Die Dargebotene Hand — 24/7 Telefonseelsorge (Schweiz & Liechtenstein)

Website: www.143.ch

Telefon: 143

Anonym & vertraulich. Telefon, teils auch Chat/E-Mail je nach Angebot (siehe Website).

Die ersten Tage: einfache, realistische Leitplanken

Die ersten 24–72 Stunden fühlen sich oft unwirklich an: Gedächtnis und Konzentration sind reduziert, Entscheidungen wirken unmöglich, Emotionen können fehlen — oder plötzlich überrollen. Ihr Nervensystem ist im Ausnahmezustand. Das ist häufig eine Schutzreaktion.

Was wirklich hilft (ohne „große Worte“)

  • Eine „Schlüsselperson“ wählen. Jemand, der Telefonate übernimmt, Infos notiert, Termine koordiniert.
  • Minimum statt Perfektion. Trinken, ein bisschen essen, schlafen, wenn möglich — das reicht für heute.
  • Alles aufschreiben. Namen, Nummern, Uhrzeiten, nächste Schritte. In Schockphasen vergisst man schnell.
  • „Ich weiß es noch nicht“ ist erlaubt. Sie müssen nicht alles sofort entscheiden.

12 praktische Wege, um durch die Trauer zu kommen

Trauer lässt sich nicht wegmachen — aber man kann den Tag „tragbar“ machen. Ziel ist klein: die Stunde schaffen, dann den Tag, dann die Woche.

  1. Worte finden (auch unperfekte). „Ich bin leer“, „ich halte es kaum aus“, „ich habe Angst“ — laut oder schriftlich.
  2. Körper schützen (Minimum). Wasser, etwas Essen, duschen, ruhen. Kleine Schritte sind echte Schritte.
  3. Ein „10-Minuten-Plan“. Kurz an die frische Luft, atmen, sitzen, Sonne spüren — 10 Minuten zählen.
  4. Praktische Hilfe erbitten. Einkäufe, Kochen, Papierkram, Telefonate — Liste machen und abgeben.
  5. Eine minimale Routine. Ein fixer Zeitpunkt für Essen/Spaziergang/Schlaf hilft dem Nervensystem.
  6. Grenzen setzen. „Heute kann ich nicht reden.“ — Sie dürfen sich schützen.
  7. Eine Standardsatz vorbereiten. „Danke. Ich kann gerade nicht erzählen. Bitte hab Geduld.“
  8. Ein sanftes Ritual. Kerze, Musik, Gebet, Brief, Spaziergang, Erinnerungsplatz.
  9. Keine Betäubung als Strategie. Alkohol/Drogen helfen kurzfristig, verschlimmern oft Schlaf, Angst und Stimmung.
  10. Widersprüchliche Gefühle zulassen. Trauer + Wut + Liebe + Erleichterung kann nebeneinander existieren.
  11. Strukturierten Halt suchen. Trauergruppe, Verein, Therapie: ein sicherer Rahmen kann enorm entlasten.
  12. Eine Erinnerung schaffen. Album, Kiste, Notizbuch, Foto, Symbol — Verbindung kann weiterleben.

Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist

Trauer ist nicht linear. Unterstützung ist besonders wichtig, wenn die Belastung überwältigend ist oder der Alltag über längere Zeit kaum mehr möglich ist.

  • Sie essen/schlafen kaum noch seit mehreren Tagen
  • Sie fühlen sich gefährdet oder haben Suizidgedanken
  • Sie isolieren sich vollständig und können niemanden erreichen
  • Häufige Panikattacken, extreme Unruhe oder Kontrollverlust
  • Alkohol/Drogen nehmen zu, um „durchzuhalten“
  • Traumasymptome nach einem Schock-Todesfall (Flashbacks, Albträume, Hypervigilanz)
  • Monate später bleibt alles „gleich schlimm“ — als ob die Trauer feststeckt

Wenn Sie unsicher sind

Sie müssen nicht „am Ende“ sein, um Hilfe zu holen. Starten Sie niedrigschwellig: 143 (24/7), 147 (für junge Menschen), eine Selbsthilfegruppe, oder ein Gespräch mit Hausarzt/Hausärztin.

Kinder & Jugendliche: was sagen, worauf achten

Kinder trauern oft „in Portionen“: ein Moment spielen sie, dann fragen sie wieder, dann weinen sie. Das ist keine Gleichgültigkeit — es ist eine Art, Intensität zu regulieren.

Einfache Sätze, die helfen

  • Wahrheit in einfachen Worten. Kleine Kinder verstehen Metaphern oft wörtlich („schläft“).
  • Sicherheit zusichern. „Du bist sicher. Ich bin da. Wir kümmern uns.“
  • Gefühle erlauben. „Du darfst traurig, wütend oder auch leer sein.“
  • Wiederholen ist normal. Die gleichen Fragen kommen zurück — das gehört dazu.

Für Kinder/Jugendliche ist 147 (Pro Juventute) ein schneller, geschützter Einstieg. Bei komplexen Situationen kann auch eine spezialisierte Trauerbegleitung helfen.

Trauer oder Depression?

Beides kann ähnlich wirken: tiefe Traurigkeit, Müdigkeit, Rückzug, Schlafprobleme, Appetitverlust, Konzentrationsschwierigkeiten. Trauer kommt häufig in Wellen und wird durch Erinnerungen ausgelöst. Depression fühlt sich oft konstanter an — wie ein dauerhaftes „Nichts“ und Hoffnungslosigkeit.

Wenn Sie sich dauerhaft hoffnungslos oder gefährdet fühlen: rufen Sie 143 an, oder in akuter Gefahr 112 / 144. Und suchen Sie so bald wie möglich medizinische/psychologische Unterstützung.

Fehlgeburt / perinataler Verlust (Schweiz)

Ein Schwangerschaftsverlust oder perinataler Verlust kann sich wie ein kompletter Bruch anfühlen — oft begleitet von unpassenden Reaktionen („es war ja früh“, „du kannst wieder schwanger werden“). Bindung ist real, und die Trauer ist real. Viele erleben Schuld, Wut, Neid, Angst vor einer erneuten Schwangerschaft oder ein starkes Bedürfnis nach Anerkennung der verlorenen Beziehung.

Was häufig hilft

  • Die Verlust-Erfahrung benennen. „Ich habe mein Kind verloren“ — Ihr Empfinden ist legitim.
  • Spuren wählen, ohne Druck. Brief, Foto, Symbol, Ritual — nur, was sich stimmig anfühlt.
  • Unterschiedliche Trauerrhythmen respektieren. Partner*innen trauern oft verschieden — das ist normal.
  • Spezialisierte Unterstützung suchen. Dafür gibt es Angebote und Informationen in der Schweiz.

Schweizer Ressource: kindsverlust.ch (siehe „Anlaufstellen“).

Wenn Trauer „stecken bleibt“ (komplizierte Trauer)

Manchmal wird Trauer über Monate nicht „weicher“: der Schmerz bleibt so scharf wie am Anfang, das Leben schrumpft immer weiter. Häufige Auslöser sind traumatische Todesfälle, komplexe Beziehungen, plötzliche Verluste oder starke Isolation.

Häufige Warnzeichen

  • Der Alltag ist langfristig kaum mehr möglich
  • Extremes Vermeiden von Erinnerungen (bis hin zum „Nicht-mehr-leben“)
  • Konstanter, überwältigender Schmerz ohne Atempausen
  • Suizidgedanken, Selbstmedikation, riskante Verhaltensweisen
  • Starke Traumasymptome (Flashbacks, Albträume, Panik)

Holen Sie sich Hilfe: Hausarzt/Hausärztin, Psychotherapie, Trauergruppe, Opferhilfe (bei Trauma) oder 143/147. Sie müssen das nicht alleine tragen.

Anlaufstellen & Nummern (Schweiz)

Allgemeine Trauerunterstützung

Verein Trauernetz (Schweiz) — Trauerbegleitung & Angebote

Website: www.trauernetz.ch

Übersichten und Hinweise zu Trauerangeboten. (Angebote können regional variieren; siehe Website).

Info-Entraide Suisse / Selbsthilfe Schweiz — Selbsthilfegruppen

Website: www.selbsthilfeschweiz.ch

Suche nach Selbsthilfegruppen (auch Trauergruppen) nach Kanton/Ort/Thema.

Die Dargebotene Hand — 143 (24/7)

Website: www.143.ch

Telefon: 143

Für Krisen, Einsamkeit, akute Überforderung, Trauer, Angst, Suizidgedanken.

Kinder, Jugendliche & Eltern (Schweiz)

Pro Juventute — Beratung & Hilfe für Kinder/Jugendliche 24/7

Website: www.147.ch

Telefon: 147

Für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene: reden, schreiben, Fragen stellen, Hilfe holen (siehe Website).

Pro Juventute — Elternberatung 24/7

Website: www.projuventute.ch

Für Eltern und Bezugspersonen: Unterstützung bei Krisen, Schule, Familie, Alltag.

Schwangerschafts-/Kindsverlust (Schweiz)

Kindsverlust.ch — Informationen & Unterstützung bei Kindsverlust / Trauer

Website: www.kindsverlust.ch

Schweizer Plattform mit Informationen, Ressourcen und Angeboten rund um Schwangerschafts-/Kindsverlust.

Trauer nach Suizid (Notfall-Orientierung)

Die Dargebotene Hand — 143 (24/7)

Website: www.143.ch

Telefon: 143

Bei akuter Gefahr: 112 / 144. Für ein Gespräch jetzt: 143.

Pro Juventute — 147 (für Kinder/Jugendliche) 24/7

Website: www.147.ch

Telefon: 147

Für junge Menschen: Trauer, Schock, Einsamkeit, Suizidgedanken, Trauer nach Suizid.

Nach traumatischem Ereignis (Unfall, Gewalt)

Opferhilfe (OHG) — kantonale Opferberatungsstellen

Jeder Kanton hat Opferhilfestellen (Unfall, Gewalt, traumatische Ereignisse). Suchen Sie nach „Opferhilfe“ + Kanton.

Suchtbezogene Todesfälle (Orientierung & Gespräch)

Die Dargebotene Hand — 143

Website: www.143.ch

Telefon: 143

Anlaufstelle bei Scham, Schuld, Wut, Isolation oder Krise (auch nach suchtbezogenen Todesfällen).

Ein Wort zum Hilfeholen

Hilfe zu holen bedeutet nicht, dass Sie „versagen“. Es bedeutet, dass Sie sich in einer der schwierigsten Lebensphasen schützen. Trauer muss nicht „repariert“ werden — aber sie verdient Zeit, Mitgefühl und passende Begleitung.

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