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Deutschland – Hilfe & Beratung

Trauerbegleitung & UnterstĂŒtzung

Trauer ist schwer, weil sie sich nicht „reparieren“ lĂ€sst. Man kann sie nicht ĂŒberspringen, und sie verschwindet selten ĂŒber Nacht. FĂŒr viele Menschen verĂ€ndert sich die IntensitĂ€t der Trauer mit der Zeit — sie kann seltener werden oder sich anders anfĂŒhlen — aber die Liebe und das GefĂŒhl des Verlusts können bleiben.

Diese Deutschland-Seite bĂŒndelt praktische BewĂ€ltigungsimpulse, Hinweise, wann UnterstĂŒtzung sinnvoll ist, wie Trauer sich anfĂŒhlen kann, und eine Übersicht vertrauenswĂŒrdiger Anlaufstellen und Hilfsangebote in Deutschland.

FĂŒr praktische nĂ€chste Schritte nach einem Todesfall siehe Was nach einem Todesfall zu tun ist oder zurĂŒck zu Deutschland – Hilfe & Beratung.

Akute Hilfe in Deutschland

Wenn du dich nicht sicher fĂŒhlst oder Gedanken hast, dir etwas anzutun, hol dir bitte sofort UnterstĂŒtzung. Du musst damit nicht allein bleiben.

  • Im Notfall: 112 anrufen oder in die nĂ€chste Notaufnahme gehen.
  • Vertrauliche UnterstĂŒtzung (anonym): TelefonSeelsorge unter 116 123.
  • Wenn du medizinische Hilfe brauchst, aber kein lebensbedrohlicher Notfall vorliegt: 116 117 (Ă€rztlicher Bereitschaftsdienst).
  • Viele Angebote bieten zusĂ€tzlich Chat/E-Mail — Details stehen auf den Websites.

10 praktische Wege, mit Trauer umzugehen

Trauer verschwindet nicht auf Knopfdruck. Aber kleine, praktische Handlungen können den Schmerz etwas ertrÀglicher machen und helfen, durch die nÀchste Stunde, den nÀchsten Tag und die nÀchste Woche zu kommen.

  1. Gib deinen GefĂŒhlen Raum. Sprich mit jemandem, dem du vertraust, schreibe privat, oder nutze ein Tagebuch.
  2. Achte auf deinen Körper. „Minimum-Care“ Ziele reichen: Wasser, kleine Mahlzeiten, kurze Ruhepausen.
  3. Nutze eine Gruppe oder Beratung. Zuhören kann schon helfen, auch wenn du (noch) nicht sprechen möchtest.
  4. Bitte konkret um Hilfe. Nicht „Kannst du helfen?“, sondern z.B. „Kannst du mich zum Termin begleiten?“
  5. Finde eine sanfte Ablenkung. Kreative oder körperliche AktivitÀten geben Struktur und entlasten.
  6. Kehre zu etwas Vertrautem zurĂŒck. Ein frĂŒheres Hobby wiederaufzunehmen kann ein kleiner, guter Schritt sein.
  7. Halte eine einfache Routine. Grundstruktur (Schlaf, Essen, kurzer Spaziergang) reduziert Überforderung.
  8. Vermeide BetÀubung durch Alkohol oder Drogen. Erleichterung ist oft kurzfristig und kann Trauer langfristig verstÀrken.
  9. Bleib vorsichtig verbunden. Eine kurze Nachricht reicht. Wenn du lachst, ist das kein Verrat.
  10. Schaffe ein Zeichen des Erinnerns. Foto, Andenken, Memory-Box, Kerze oder Ritual — Liebe darf bleiben.

Wann TrauerunterstĂŒtzung sinnvoll ist

Trauer ist unberechenbar und bei jedem Menschen anders. Professionelle UnterstĂŒtzung kann sinnvoll sein, wenn Trauer ĂŒberwĂ€ltigend wirkt oder dich daran hindert, im Alltag zu funktionieren.

  • Es fĂ€llt dir extrem schwer aufzustehen oder den Tag zu beginnen
  • Du vermeidest Trauer dauerhaft und drĂŒckst alles weg
  • Du vernachlĂ€ssigst dich selbst oder andere, fĂŒr die du Verantwortung trĂ€gst
  • Du meidest Abschied/Rituale komplett und fĂŒhlst dich davon blockiert
  • Du isolierst dich und hast starke Stimmungsschwankungen ĂŒber lĂ€ngere Zeit
  • Du hĂ€ltst dich stĂ€ndig beschĂ€ftigt, um nicht fĂŒhlen zu mĂŒssen
  • Du vermeidest GesprĂ€che ĂŒber die verstorbene Person oder Erinnerungen
  • Du nutzt hĂ€ufiger Alkohol oder Substanzen, um „durchzuhalten“
  • Du hast das GefĂŒhl, ohne die Person nicht weiterleben zu können
  • AlltĂ€gliche Aufgaben (Essen, Hygiene, Termine) werden ĂŒber Wochen kaum möglich

Einige dieser Zeichen sind in den ersten Tagen und Wochen normal. Wenn sie aber ĂŒber Wochen oder Monate anhalten oder stĂ€rker werden, kann Trauerberatung, Psychotherapie oder Krisenberatung helfen — UnterstĂŒtzung kann auch Jahre nach einem Verlust sinnvoll sein.

Trauer vs. Depression

Trauer und klinische Depression können sich Ă€hnlich anfĂŒhlen: gedrĂŒckte Stimmung, Erschöpfung, RĂŒckzug, SchlafverĂ€nderungen und Konzentrationsprobleme.

Trauer kommt oft in Wellen und wird durch Daten, Orte, Musik oder Erinnerungen ausgelöst. Depression kann sich eher konstant, leer und unverĂ€nderlich anfĂŒhlen. Wenn du dich dauerhaft hoffnungslos, innerlich taub oder nicht sicher fĂŒhlst, sprich bitte mit einer Ärztin/einem Arzt oder hole dir akute Hilfe (siehe Abschnitt oben).

Den Trauerprozess verstehen

Es gibt viele Trauermodelle. Keines davon ist eine Regel. Sie sind eher Landkarten, die helfen können, typische Muster zu verstehen — wie Trauer Gedanken, GefĂŒhle, Körper und Alltag beeinflusst.

HĂ€ufige AnsĂ€tze sind z.B. das duale Prozessmodell (Wechsel zwischen Verlustorientierung und Wiederaufbau), Aufgaben der Trauer (schrittweise Anpassung an den Verlust), Sinnfindung (Bedeutung neu aufbauen) und die bekannten fĂŒnf Phasen der Trauer.

Die fĂŒnf Phasen der Trauer (KurzĂŒberblick)

Verleugnung, Wut, Verhandeln, Depression und Akzeptanz werden oft als einfache Sprache fĂŒr Trauer genutzt. Diese Phasen laufen nicht in fester Reihenfolge ab und können sich wiederholen. Akzeptanz heißt nicht „vergessen“ — sondern lernen, mit dem Verlust weiterzuleben.

Trauer nach einem Tod im Zusammenhang mit Alkohol oder Drogen (Deutschland)

Jemanden durch Alkohol- oder Drogenkonsum zu verlieren, ist erschĂŒtternd. Neben Schock und Traurigkeit können zusĂ€tzliche Belastungen dazukommen: unbeantwortete Fragen, Stigma, komplizierte Beziehungen und manchmal polizeiliche oder medizinische AbklĂ€rungen. Dieser Abschnitt erklĂ€rt typische Herausforderungen in Deutschland und gibt praktische Impulse fĂŒr die nĂ€chsten Wochen.

Warum sich Trauer nach Alkohol oder Drogen anders anfĂŒhlen kann

Trauer nach einem suchtbezogenen Tod kann zusĂ€tzliche „Schichten“ haben, die alles schwerer machen:

  • Plötzlichkeit oder Trauma (z.B. Überdosierung, Unfall, unklarer Tod)
  • Viele Fragen: „Was ist passiert?“ „HĂ€tte ich etwas verhindern können?“
  • Stigma, Urteil anderer, oder unangenehmes Schweigen
  • Komplizierte Beziehungen, besonders wenn AbhĂ€ngigkeit lange prĂ€sent war
  • Praktischer Stress: Termine, Akten, Aussagen, Behördenwege

Das bedeutet nicht, dass deine Trauer „anders wert“ ist — es heißt nur, dass du möglicherweise spezielle Formen von UnterstĂŒtzung brauchst.

SekundĂ€re Verluste und „nicht anerkannte“ Trauer (Stigma)

SekundÀre Verluste (mehr als einmal trauern)

Wenn Sucht lange Teil eines Lebens war, berichten viele Angehörige von „Trauer in Etappen“: schon vor dem Tod — um die Person, wie sie einmal war, um Beziehungen, um StabilitĂ€t und ZukunftsplĂ€ne. Der Tod kann sich dann wie die letzte Welle einer langen Reihe von Verlusten anfĂŒhlen.

Du kannst gleichzeitig Liebe, Wut, Erschöpfung und sogar Erleichterung empfinden. Das ist nicht falsch — es zeigt, wie komplex Sucht Beziehungen und Alltag prĂ€gen kann.

Nicht anerkannte Trauer (wenn andere keinen Raum geben)

Nach suchtbezogenen TodesfĂ€llen reagieren manche Menschen mit Schweigen, Unbehagen oder Schuldzuweisungen. Dadurch kann es sich anfĂŒhlen, als dĂŒrftest du nicht offen trauern oder mĂŒsstest dich rechtfertigen.

  • „Das war doch absehbar.“
  • „Selbst schuld.“
  • „DarĂŒber spricht man nicht.“

Diese Reaktion wird manchmal als „nicht anerkannte“ (disenfranchised) Trauer beschrieben. Deine Trauer ist real, berechtigt und verdient UnterstĂŒtzung.

Was du fĂŒhlen könntest (und warum das normal ist)

Trauer ist selten nur Traurigkeit. Sie kann viele GefĂŒhle gleichzeitig enthalten — und sich stĂŒndlich Ă€ndern:

  • Taubheit / Schock — alles wirkt unwirklich, du funktionierst nur
  • Wut — auf Systeme, Menschen, UmstĂ€nde oder dich selbst
  • SchuldgefĂŒhle — GrĂŒbeln und „Wenn ich nur
“-Gedanken
  • Angst — innere Unruhe, Sorge um andere, Panik
  • Erleichterung — nach langer Krise, Chaos oder Leid
  • Scham — oft ausgelöst durch Stigma, nicht durch dein Verhalten

Hinweis zur Erleichterung

Erleichterung ist eine der missverstandenen Trauerreaktionen. Sie bedeutet nicht, dass du weniger geliebt hast. Sie kann bedeuten, dass die stÀndige Angst, Krise oder Unsicherheit beendet ist.

Was tun, wenn die Polizei beteiligt ist (Deutschland)

Wenn illegale Substanzen eine Rolle gespielt haben könnten oder der Todeshergang unklar ist, kann die Polizei ermitteln. Das kann belastend sein, besonders wenn Details wiederholt werden. Du darfst Grenzen setzen und UnterstĂŒtzung annehmen.

  • Bitte eine vertraute Person, dich zu Terminen zu begleiten und Notizen zu machen
  • Setze Grenzen: Du musst nicht jederzeit alles hören oder lesen
  • Nutze Opferhilfe (z.B. Weißer Ring), wenn eine Straftat im Raum steht
  • Wenn du dich nicht sicher fĂŒhlst: sofort Hilfe holen (112 / 116 123)

BewÀltigungsstrategien, die wirklich helfen

Diese Schritte „lösen“ Trauer nicht — aber sie können sie tragbarer machen und dir helfen, den nĂ€chsten Tag zu schaffen:

  1. Gib GefĂŒhlen einen sicheren Ort. Rede mit jemandem, schreibe privat, oder nutze Beratung/Hotlines.
  2. SchĂŒtze Schlaf, Essen, Trinken. Minimum-Care ist genug. Wenn Symptome anhalten, sprich Ă€rztlich darĂŒber.
  3. Vermeide BetĂ€ubung. Wenn du merkst, dass Substanzen zum BewĂ€ltigen werden, hol dir frĂŒh Hilfe (Suchtberatung ist auch fĂŒr Angehörige da).
  4. WĂ€hle passende UnterstĂŒtzung. Manche profitieren von spezialisierten Angeboten, in denen sie weniger erklĂ€ren mĂŒssen.
  5. Senk Erwartungen. Trauer beeinflusst Konzentration und Motivation. Delegiere, wenn möglich.
  6. Baue einen „schweren Tag“-Plan. Eine Person, eine beruhigende TĂ€tigkeit, ein Ort, ein Notfallkontakt.
  7. Finde eine sanfte Form des Erinnerns. Ein Foto, eine Kerze, ein Brief oder ein Ritual kann NĂ€he schaffen.

Wo du in Deutschland UnterstĂŒtzung bekommst

Wenn du UnterstĂŒtzung möchtest, die suchtbezogenen Kontext versteht, starte mit Beratungsstellen, die auch Angehörige begleiten. In Deutschland sind viele Angebote lokal organisiert.

  • Suchtberatung (vor Ort ĂŒber Caritas/Diakonie/Kommunen)
  • TelefonSeelsorge: 116 123 (anonym, auch fĂŒr akute Entlastung)
  • Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117 (kein Notfall)

Weitere deutsche Angebote findest du unten in der Übersicht.

Organisationen & Hotlines in Deutschland

Allgemeine TrauerunterstĂŒtzung

TelefonSeelsorge

Website: www.telefonseelsorge.de

Telefon: 116 123

Rund um die Uhr erreichbar (Deutschlandweit)

Ärztlicher Bereitschaftsdienst

Website: www.116117.de

Telefon: 116 117

Kein Notruf — im Notfall 112

Hospiz- und Trauerbegleitung (regional)

Website: www.dhpv.de

Suche nach „Hospizdienst + Ort“ oder ĂŒber den Dachverband

Kinder und Jugendliche

Nummer gegen Kummer — Kinder- und Jugendtelefon

Website: www.nummergegenkummer.de

Telefon: 116 111

Sprechzeiten können variieren — bitte Website prĂŒfen

Nummer gegen Kummer — Elterntelefon

Website: www.nummergegenkummer.de

Sprechzeiten auf der Website

Deutscher Kinderhospizverein (regional)

Website: www.deutscher-kinderhospizverein.de

Angebote sind regional — bitte Standort/Region wĂ€hlen

Nach dem Verlust eines Partners

Verwitwet.de

Website: www.verwitwet.de

Trauergruppen (Kirchen, Hospizdienste, Kommunen)

Suche nach „Trauergruppe + Ort“ oder „TrauercafĂ© + Ort“

Nach dem Tod eines Kindes

VEID — Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e.V.

Website: www.veid.de

Regionale Gruppen/Angebote ĂŒber die Website finden

Fehlgeburt, Stillgeburt, Neugeborenenverlust oder frĂŒher Verlust

Sternenkinder (Information & regionale Angebote)

Website: www.sternenkinder.de

FĂŒr lokale Hilfe: „Sternenkinder + Ort“ oder „Trauerbegleitung Fehlgeburt + Ort“ suchen

Trauer nach Suizid

AGUS — Angehörige um Suizid e.V.

Website: www.agus-selbsthilfe.de

Krisenberatung & psychosoziale Dienste (regional)

Suche nach „Krisendienst + Bundesland/Ort“ oder „Sozialpsychiatrischer Dienst + Ort“

Tod im Zusammenhang mit Alkohol oder Drogen

Sucht- und Drogenberatung (Caritas / Diakonie / Kommunen)

Website: www.caritas.de ‱ www.diakonie.de

Suche nach „Suchtberatung + Ort“ (hĂ€ufig kostenlos/vergĂŒnstigt)

Anonyme Alkoholiker / Angehörigengruppen (regional)

Suche nach „AA + Ort“ bzw. „Angehörigengruppe Sucht + Ort“

LGBT+ TrauerunterstĂŒtzung

LGBTQ+ Beratung (regional)

Suche nach „LGBTQ Beratung + Ort“ oder „Queer Beratung + Ort“

Weitere hilfreiche Organisationen

Weißer Ring

Website: www.weisser-ring.de

Telefon: 116 006

Traumaambulanz / Psychotrauma-Hilfe (regional)

Suche nach „Traumaambulanz + Ort“ oder „Psychotrauma Hilfe + Ort“

Hinweis: UnterstĂŒtzung zu suchen

UnterstĂŒtzung zu suchen bedeutet nicht, dass du versagst. Es bedeutet, dass du gut fĂŒr dich sorgst in einer der schwersten Phasen des Lebens. Trauer muss nicht „repariert“ werden — aber sie verdient MitgefĂŒhl, Zeit und UnterstĂŒtzung.

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