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Erbrecht, Nachlass, Schulden & Erbschaftsteuer in Deutschland

Diese Seite erklĂ€rt die wichtigsten rechtlichen Schritte nach einem Todesfall in Deutschland: was zum Nachlass gehört, wer handeln darf (Erben, Testamentsvollstrecker), wann ein Erbschein nötig ist, wie Schulden und Haftung funktionieren, wie gemeinsames Eigentum (Konten/Immobilien) behandelt wird und wann Erbschaftsteuer eine Rolle spielen kann. Außerdem: Testament finden, gesetzliche Erbfolge (wenn kein Testament existiert), Pflichtteil, StreitfĂ€lle sowie Vorsorge- und Digitalthemen.

KurzĂŒberblick (Deutschland)

In Deutschland geht mit dem Tod einer Person deren Vermögen und Schulden als Nachlass grundsĂ€tzlich auf die Erben ĂŒber. Zuerst wird der Nachlass gesichert, der Überblick ĂŒber Vermögen/Verbindlichkeiten erstellt und geprĂŒft, ob ein Testament oder Erbvertrag existiert. HĂ€ufig verlangen Banken, Grundbuchamt oder Versicherer einen Erbschein (oder ein notarielles Testament mit Eröffnungsniederschrift), bevor Konten, Depots oder Immobilien ĂŒbertragen werden. Schulden werden aus dem Nachlass bedient; Erben sollten bei unklarer Lage frĂŒh prĂŒfen, ob eine Ausschlagung oder eine HaftungsbeschrĂ€nkung(z. B. Nachlassverwaltung/Nachlassinsolvenz) sinnvoll ist.

Deutschland ist föderal organisiert, aber das Erbrecht richtet sich im Kern nach dem BGB; Details hĂ€ngen stark vom Einzelfall ab (Familienstand, GĂŒterstand, Vermögen im Ausland, Unternehmensanteile, etc.).

Begriffe

Kurze Definitionen, um die wichtigsten deutschen Nachlassbegriffe schnell einzuordnen.

Nachlass: Gesamtheit von Vermögen und Schulden der verstorbenen Person (z. B. Konten, Depots, Immobilien, Hausrat, Forderungen – aber auch Kredite, offene Rechnungen).

Erbe/Erbengemeinschaft: Erben treten in die Rechte und Pflichten der verstorbenen Person ein. Bei mehreren Erben entsteht oft eine Erbengemeinschaft, die gemeinsam entscheiden muss.

Testament/Erbvertrag: Regelung der Erbfolge durch die verstorbene Person. Ein Erbvertrag ist hÀufig notariell und bindender ausgestaltet.

Erbschein: Amtliches Zeugnis, das die Erbenstellung nachweist. Viele Stellen verlangen ihn, wenn kein (notarielles) Testament mit Eröffnungsniederschrift vorliegt.

Nachlassgericht: Abteilung des Amtsgerichts, zustĂ€ndig u. a. fĂŒr Testamentseröffnung, Erbscheinverfahren, Nachlasssicherung.

Testamentsvollstrecker: Person, die der Erblasser im Testament bestimmt, um den Nachlass abzuwickeln oder zu verwalten (z. B. bis zur Verteilung).

Pflichtteil: Geldanspruch naher Angehöriger (typisch: Kinder, Ehegatte), wenn sie enterbt wurden – keine automatische „Mit-Erbschaft“, sondern ein Anspruch auf Zahlung.

Wer darf handeln? Erben & Rollen

Wer Entscheidungen treffen kann und was hÀufig als Nachweis verlangt wird.

In Deutschland sind grundsĂ€tzlich die Erben fĂŒr die Abwicklung des Nachlasses zustĂ€ndig. In der Praxis fragen Banken, Versicherer und Behörden aber nach einem eindeutigen Nachweis.

HĂ€ufige Nachweise

    Typische Aufgaben

      Wenn ein Testamentsvollstrecker eingesetzt ist

      Dann kann es sein, dass nicht die Erben, sondern der Testamentsvollstrecker gegenĂŒber Banken/Grundbuchamt handeln darf. Das Testament regelt Umfang und Dauer der Vollstreckung.

      Was gehört zum Nachlass?

      Was typischerweise dazugehört – und was vor der Verteilung zuerst zu erledigen ist.

      Zum Nachlass gehören oft

        Was zuerst passiert

        Bevor „geerbt und verteilt“ wird, werden typischerweise offene Zahlungen, Kosten und Steuern aus dem Nachlass bedient. Bei mehreren Erben ist hĂ€ufig eine geordnete Abwicklung sinnvoll, um Streit und Haftungsrisiken zu vermeiden.

        Wen informieren? Behörden & Stellen in Deutschland

        Eine praktische Liste – je nach Lebenssituation kommen weitere Stellen hinzu.

        Welche Stellen zu informieren sind, hÀngt stark davon ab, wo die Person gelebt hat und welche VertrÀge/Leistungen bestanden (Rente, Beamtenversorgung, Pflege, etc.).

        HĂ€ufige Anlaufstellen

          Tipp: Erstelle eine Liste aller VertrĂ€ge/Accounts, sammle Post/E-Mails und sichere ZugĂ€nge (rechtlich sauber – keine „Passwörter im Testament“).

          Schulden, Haftung & Ausschlagung

          Wichtig: Erben ĂŒbernehmen grundsĂ€tzlich auch Schulden – deshalb sind frĂŒhe Entscheidungen entscheidend.

          Werden Schulden „vererbt“?

          Schulden gehen grundsĂ€tzlich mit dem Nachlass auf die Erben ĂŒber. Das bedeutet nicht, dass Angehörige automatisch aus eigener Tasche zahlen mĂŒssen – aber wer Erbe wird, kann unter UmstĂ€nden auch mit seinem eigenen Vermögen haften, wenn nicht rechtzeitig Maßnahmen zur Haftungsbegrenzung getroffen werden.

          Ausschlagung (wenn der Nachlass problematisch ist)

          Wenn absehbar ist, dass der Nachlass ĂŒberschuldet ist oder hohe Risiken bestehen, kann eine Ausschlagung sinnvoll sein. DafĂŒr gibt es Fristen und Formvorgaben (typisch: ErklĂ€rung beim Nachlassgericht oder Notar).

          Haftung begrenzen (wenn man nicht ausschlÀgt)

            Wichtig: Verteilungen „auf Verdacht“ können riskant sein. Wer zu frĂŒh an Erben auszahlt und spĂ€ter GlĂ€ubiger auftauchen, kann in Haftungsprobleme geraten. Im Zweifel: erst klĂ€ren, dann verteilen.

            Gemeinsame Konten & gemeinsames Eigentum

            Was bei Gemeinschaftskonten, Ehen und Miteigentum typischerweise zu beachten ist.

            Gemeinschaftskonten

            Bei Gemeinschaftskonten kommt es auf die Bankbedingungen und die Kontenform an. Auch wenn der ĂŒberlebende Kontoinhaber weiter verfĂŒgen kann, können anteilig Nachlass- und Ausgleichsthemen entstehen (je nach Einzahlungen, Vereinbarungen und Erbquote). Banken verlangen hĂ€ufig Sterbeurkunde und/oder Nachlassnachweis.

            Ehe & GĂŒterstand

            Ehegatten erben je nach Familienkonstellation und GĂŒterstand (z. B. Zugewinngemeinschaft, GĂŒtertrennung, GĂŒtergemeinschaft). Das beeinflusst Erbquoten und kann auch bei Immobilien/Banken praktisch relevant sein.

            Hinweis: Die genaue Erbquote ist stark fallabhĂ€ngig (Kinder, Ehe, Testament, etc.). Bei Unsicherheit lohnt sich frĂŒh ein Notar/Anwalt.

            Immobilien, Grundbuch & Verkauf

            Wie Immobilien typischerweise ĂŒbertragen werden und was hĂ€ufig als Nachweis verlangt wird.

            Immobilien gehören oft zu den wichtigsten Nachlasswerten. FĂŒr Umschreibungen im Grundbuch oder VerkĂ€ufe sind meist klare Nachweise erforderlich (Erbschein oder notarielles Testament/Erbvertrag mit Eröffnungsniederschrift). Bei mehreren Erben entscheidet hĂ€ufig die Erbengemeinschaft gemeinsam.

            Wenn eine Immobilie verkauft wird

              Wenn ein Darlehen auf der Immobilie lastet, erwartet die Bank in der Regel eine Weiterzahlung, Umschuldung oder Ablösung. Möglichkeiten hÀngen vom Vertrag, der BonitÀt und der Nachlasslage ab.

              Kleine NachlÀsse / Freigaben

              Wann Banken oder Stellen ggf. ohne Erbschein auszahlen – und warum das variiert.

              Ob Auszahlungen ohne Erbschein möglich sind, hÀngt von der jeweiligen Bank/Institution und den UmstÀnden ab (z. B. Kontostand, Kontenform, Vorlage eines notariellen Testaments). Manche Institute haben interne Grenzen oder verlangen ab bestimmten BetrÀgen strengere Nachweise.

              HĂ€ufig werden bestimmte Kosten (z. B. Bestattungskosten) aus dem Nachlasskonto ĂŒbernommen, wenn Belege vorliegen – aber auch das ist institutsspezifisch.

              Erbschein & Nachlassgericht

              Wann der Erbschein gebraucht wird, was das Nachlassgericht macht, und worauf man achten sollte.

              Was macht das Nachlassgericht?

                Wann braucht man einen Erbschein?

                  In manchen FÀllen reicht ein notarielles Testament/Erbvertrag zusammen mit der gerichtlichen Eröffnungsniederschrift. Ob das akzeptiert wird, entscheidet die jeweilige Stelle im Einzelfall.

                  Erbschaftsteuer

                  Wann sie relevant sein kann und wer typischerweise zustÀndig ist.

                  In Deutschland kann Erbschaftsteuer anfallen, wenn bestimmte FreibetrĂ€ge ĂŒberschritten werden. Die Höhe hĂ€ngt u. a. vom Verwandtschaftsgrad, dem Wert der Vermögenswerte und möglichen BegĂŒnstigungen/Regelungen ab.

                  Praktisch wichtig

                    Schenkungen vor dem Tod

                    Warum frĂŒhere Schenkungen relevant sein können – besonders bei Steuer und Pflichtteil.

                    Schenkungen zu Lebzeiten können im Erbfall steuerlich oder im Rahmen von Pflichtteils-/Ausgleichsthemen eine Rolle spielen. Entscheidend sind Zeitpunkt, Wert und die konkrete Gestaltung.

                    Beispiele

                      Testament finden & eröffnen lassen

                      Was du zuerst prĂŒfen solltest – und warum ein gefundenes Testament nicht „privat behalten“ werden sollte.

                        Tipp: Dokumentiere Funde (Foto/Notizen), aber handle sensibel – Streit entsteht oft aus MissverstĂ€ndnissen ĂŒber Fristen und „wer was in der Hand hat“.

                        Kein Testament: gesetzliche Erbfolge

                        Wie die Erbfolge ohne Testament grundsĂ€tzlich funktioniert – und warum es schnell kompliziert wird.

                        Wenn kein wirksames Testament/kein Erbvertrag existiert, greift die gesetzliche Erbfolge (BGB). Dabei erben Angehörige nach Ordnungen (z. B. Kinder zuerst; wenn keine Kinder, ggf. Eltern/Geschwister usw.). Ehegatten erben zusÀtzlich nach besonderen Regeln.

                        Typische Stolpersteine

                          Pflichtteil & StreitfÀlle

                          Wann es PflichtteilsansprĂŒche gibt und was bei Konflikten typischerweise hilft.

                          Der Pflichtteil ist hĂ€ufig ein Geldanspruch naher Angehöriger (z. B. Kinder/Ehegatte), wenn sie enterbt wurden. Er richtet sich grundsĂ€tzlich gegen die Erben und kann zu LiquiditĂ€tsfragen fĂŒhren (z. B. wenn Vermögen „in der Immobilie steckt“).

                          Wenn es Streit gibt

                            Nicht jedes „unfair“ ist automatisch rechtswidrig – aber formale Fehler, fehlende GeschĂ€ftsfĂ€higkeit, unzulĂ€ssiger Druck oder FĂ€lschungsvorwĂŒrfe sind typische Ansatzpunkte in StreitfĂ€llen (immer einzelfallabhĂ€ngig).

                            Notar/Anwalt & komplexe NachlÀsse

                            Wann professionelle Hilfe meist sinnvoll ist – und welche FĂ€lle besonders risikobehaftet sind.

                            Manche NachlĂ€sse lassen sich ohne große Hilfe regeln – besonders, wenn es ein klares (notarielles) Testament gibt, die Vermögenslage ĂŒberschaubar ist und alle Beteiligten kooperieren. KomplexitĂ€t oder Konflikte erhöhen jedoch Risiko und Aufwand deutlich.

                            Typische „Komplex“-FĂ€lle

                              Notare sind oft zentral bei Immobilien und bestimmten Nachweisen; AnwÀlte helfen vor allem bei Streit, Haftungsfragen und komplexen Konstellationen.

                              VermÀchtnisse

                              Was ein VermĂ€chtnis ist und worin es sich von „Erbe sein“ unterscheidet.

                              Ein VermÀchtnis ist eine Zuwendung im Testament, bei der jemand einen Anspruch auf einen bestimmten Gegenstand oder Geld erhÀlt, ohne Erbe zu werden. Der Anspruch richtet sich meist gegen die Erben.

                              Beispiele

                                Haustiere

                                Praktische Planung, damit ein Tier nicht „zwischen die StĂŒhle“ gerĂ€t.

                                Haustiere sind kein „Gegenstand mit automatischer Versorgung“. Wichtig ist, frĂŒhzeitig zu klĂ€ren, wer das Tier ĂŒbernimmt – und das idealerweise schriftlich zu hinterlegen (z. B. im Testament oder in einer separaten Wunsch-/Anleitungsliste).

                                Praktische Schritte

                                  Vorsorge: Vollmachten & PatientenverfĂŒgung

                                  Warum Vorsorgevollmacht und PatientenverfĂŒgung fĂŒr Angehörige enorm entlastend sein können.

                                  Vorsorgevollmacht

                                  Mit einer Vorsorgevollmacht kann eine Person bevollmĂ€chtigt werden, bei EntscheidungsunfĂ€higkeit rechtsverbindlich zu handeln (z. B. Bank, VertrĂ€ge, Behörden – je nach Umfang). Ohne wirksame Vollmacht kann sonst ein gerichtliches Betreuungsverfahren nötig werden.

                                  PatientenverfĂŒgung

                                  Eine PatientenverfĂŒgung hĂ€lt fest, welche medizinischen Maßnahmen gewĂŒnscht oder abgelehnt werden, wenn man selbst nicht mehr entscheiden kann. Sie sollte klar formuliert und auffindbar sein (Kopien an Vertrauenspersonen/Ärzte).

                                  Tipp: Vorsorgedokumente regelmĂ€ĂŸig prĂŒfen/aktualisieren und zentral auffindbar machen.

                                  Digitaler Nachlass

                                  E-Mail, Social Media, Fotos, Online-Banking, Abos, Rewards – plus: Krypto.

                                  Digitaler Nachlass umfasst Online-Konten, Abos, gespeicherte Fotos/Videos, Cloudspeicher, Online-Zahlungsdienste, Bonusprogramme und ggf. KryptowÀhrungen. Anbieter haben oft strenge Regeln, selbst wenn man Erbe ist.

                                  Praktische Schritte

                                    HĂ€ufige Fragen (Deutschland)

                                    MĂŒssen Angehörige Schulden aus eigener Tasche bezahlen?

                                    Nicht automatisch. Schulden werden grundsĂ€tzlich aus dem Nachlass bedient. Wer aber Erbe wird, kann – je nach Situation – auch persönlich haften, wenn keine Ausschlagung erfolgt oder keine Haftungsbegrenzung greift. Bei unklarer Lage frĂŒh beraten lassen.

                                    Brauche ich immer einen Erbschein?

                                    Nicht immer. Manche Stellen akzeptieren ein notarielles Testament/Erbvertrag zusammen mit der Eröffnungsniederschrift. HÀufig wird der Erbschein aber verlangt, besonders bei Banken und komplexen Konstellationen.

                                    Was ist eine Erbengemeinschaft?

                                    Wenn es mehrere Erben gibt, bilden sie oft eine Erbengemeinschaft. Entscheidungen ĂŒber NachlassgegenstĂ€nde (z. B. Immobilie verkaufen, Konto auflösen) mĂŒssen hĂ€ufig gemeinsam getroffen werden – das kann Zeit kosten.

                                    Was tun, wenn der Nachlass ĂŒberschuldet sein könnte?

                                    Zuerst Übersicht schaffen (Konten, Kredite, offene Rechnungen, VertrĂ€ge). Dann zĂŒgig prĂŒfen, ob Ausschlagung oder Haftungsbegrenzung (z. B. Nachlassverwaltung/ Nachlassinsolvenz) in Betracht kommt. Verteilungen vermeiden, solange die Lage nicht klar ist.

                                    Kann man ein Testament „anfechten“, weil es unfair wirkt?

                                    „Unfair“ reicht meist nicht allein. Relevanter sind rechtliche GrĂŒnde (z. B. Formfehler, fehlende EinsichtsfĂ€higkeit, unzulĂ€ssige Einflussnahme, FĂ€lschung) oder PflichtteilsansprĂŒche. Bei Streit: frĂŒh spezialisierte Beratung.

                                    Rechtlicher Hinweis

                                    Diese Seite bietet allgemeine Informationen zum deutschen Erb- und Nachlassrecht und stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Die richtige Vorgehensweise hĂ€ngt vom Einzelfall ab (Familie, Vermögen, Schulden, Testament, Auslandsbezug, Fristen, etc.). Wenn du unsicher bist, ein Streit droht oder der Nachlass komplex/ĂŒberschuldet ist, sprich mit einer qualifizierten Fachperson (Notar, Anwalt, Steuerberatung).

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