Deutschland Hilfe & Beratung
Was tun nach einem Todesfall
Wenn der Tod gerade eingetreten ist, fühlt sich alles gleichzeitig dringend an. Das ist normal. Sie müssen nicht alles heute erledigen. Beginnen Sie mit dem Minimum für heute und gehen Sie dann Schritt für Schritt weiter. Dieser Leitfaden ist erklärt den Ablauf in Deutschland.
Deutsche Timeline – wann passiert was (typisch)
Als Orientierung. Details können je Bundesland und Fall (z. B. Staatsanwaltschaft) abweichen.
- Stunden 1–6: Ärztliche Feststellung des Todes + Ausstellung der Todesbescheinigung (bei unklarem/auffälligem Tod ggf. Polizei/Staatsanwaltschaft).
- Tag 1–3: Kontakt zu einem Bestattungsunternehmen (falls gewünscht) + erste Entscheidungen (Erdbestattung/Feuerbestattung, Ort, Termin, Trauerfeier).
- In der Regel binnen 3 Werktagen: Anzeige beim Standesamt des Sterbeortes → Ausstellung mehrerer Sterbeurkunden.
- Woche 1: prioritäre Meldungen (Krankenkasse, Rentenversicherung/DRV, Arbeitgeber, Banken/Versicherungen) + Wohnung/Post/Haustiere sichern.
- Wochen 2+: Nachlass (Testament/Nachlassgericht, ggf. Erbschein, Konten/Verträge, Schulden, Verteilung).
- Wichtige Frist: Erbausschlagung ist in vielen Fällen binnen 6 Wochen ab Kenntnis möglich (wenn relevant – bei Unsicherheit rechtlich beraten lassen).
1) Erste Stunden: was jetzt passiert (je nach Ort)
Ort und Umstände bestimmen die ersten Schritte.
- Zuhause (erwarteter Tod): Hausarzt, Hospiz/palliatives Team oder 116 117 kontaktieren. Ein Arzt stellt die Todesbescheinigung aus.
- Zuhause (unerwartet/unklar): 112 rufen. Polizei kann hinzugezogen werden; der Tod kann als ungeklärt eingestuft werden.
- Im Krankenhaus: Das Personal organisiert die ärztliche Feststellung und erklärt das weitere Vorgehen.
- Im Pflegeheim: Die Einrichtung organisiert Arzt und informiert Angehörige über die nächsten Schritte.
2) Während des Wartens: praktische Checkliste (die wirklich hilft)
Das sind sichere, hilfreiche Schritte in den ersten Stunden.
- Wohnung sichern: Türen/Fenster, Schlüssel, Wertsachen, Medikamente. In Mehrfamilienhäusern: Briefkasten, Klingelschild, Hausflurzugang mitdenken.
- Post kontrollieren: täglich leeren lassen (oder eine Vertrauensperson). Sichtbarer Briefkasten ist ein Risiko.
- Haustiere versorgen: Futter/Wasser + Plan für die nächsten 24–48 Stunden.
- Dokumente “sichtbar” sammeln: Personalausweis/Reisepass, Versichertenkarte, Renten-/Kassenpost, Bankkarten, Heiratsurkunde/Lebenspartnerschaft, Geburtsurkunde (falls greifbar).
- Familienkommunikator bestimmen: Eine Person informiert Familie/Freunde – Sie müssen nicht alles allein tragen.
- Notizen machen: Uhrzeit, Ansprechpartner, Hinweise. Unter Stress vergisst man Details – normal.
3) Todesbescheinigung: das wichtigste erste Dokument
Grundlage für Standesamt und Bestattung.
Ein Arzt stellt die Todesbescheinigung aus (Zeitpunkt, Umstände, vermutete Todesursache). Bei ungeklärten/auffälligen Fällen können Polizei/Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden – das kann den Ablauf ändern.
- Fragen Sie, wer welche Teile erhält (Angehörige, Bestatter, Standesamt) und was Sie aufbewahren sollten.
- Ohne Todesbescheinigung sind viele formale Schritte (Beurkundung/Bestattung) nicht möglich.
4) Standesamt: Tod beurkunden + Sterbeurkunden bestellen
In der Regel beim Standesamt des Sterbeortes – häufig binnen 3 Werktagen.
Der Tod wird beim Standesamt des Sterbeortes beurkundet. Häufig erledigt das ein Bestattungsunternehmen für Sie. Danach erhalten Sie Sterbeurkunden, die Sie bei vielen Stellen benötigen.
Praktische Tipps (Deutschland)
- Bestellen Sie mehrere Sterbeurkunden. Sie brauchen sie oft für: Banken, Versicherungen, Rentenstellen, Arbeitgeber, Vermieter/Versorger.
- Fragen Sie beim Standesamt: “Wie viele beglaubigte Urkunden empfehlen Sie üblicherweise?” (je nach Komplexität).
- Wenn Sie Dokumente nicht finden: Bestatter/Standesamt erklärt meist, was ersetzbar ist und wie.
5) Bestattung in Deutschland: Entscheidungen, Fristen, Kultur & Kosten (kurz und praktisch)
Bundesländer regeln Details; grundsätzlich gilt meist Friedhofszwang.
- Entscheiden Sie: Erd- oder Feuerbestattung. Bei Feuerbestattung sind zusätzliche Unterlagen/Einwilligungen üblich.
- Trauerfeier: kirchlich oder weltlich (oder beides). Bestatter kann Ablauf/Redner/Termin koordinieren.
- Ort: Friedhof/Urnenfeld/Grabart (Wahlgrab/Reihengrab; je nach Kommune).
- Kosten-Orientierung: Die Gesamtkosten variieren stark (Region, Grab, Gebühren, Leistungen). Fragen Sie nach einem transparenten Komplettangebot (Bestatter + Friedhof/Krematorium + Gebühren).
- Sozialbestattung: Wenn die Mittel nicht reichen, kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Unterstützung über das Sozialamt möglich sein. Früh ansprechen – es gibt Wege.
6) Finanzschutz & Betrug (Deutschland) – früh erledigen
Schützt vor Identitätsmissbrauch, Kontoproblemen und “Erbschleicherei”.
- Briefkasten/Haustür: Post täglich sichern. In Mehrfamilienhäusern ist Postdiebstahl real.
- Onlinebanking/TAN: Smartphone/TAN-Generator sicher verwahren. Nichts “vorschnell” kündigen, wenn dadurch Zugänge/2FA verloren gehen.
- Vorsicht vor Druck: Niemand muss “sofort” Gebühren zahlen, um Erbe/Versicherung auszuzahlen. Immer über offizielle Nummern prüfen.
- Dokumente nur gezielt: Sterbeurkunden/Personaldaten nicht an Unbekannte schicken. Identität und Zweck prüfen.
- Familienkonflikte/Einflussnahme: Wenn jemand Sie zu schnellen Unterschriften drängt: Pause, zweite Meinung (Notar/Anwalt).
7) Digitale Konten (Deutschland): bewahren statt löschen
Onlinezugänge sind oft nötig (Banking, ELSTER, Krankenkasse).
- Bewahren Sie Telefon + E-Mail (2FA/TAN-SMS, Passwort-Resets). Kündigen Sie die Mobilnummer nicht in Woche 1.
- Onlinebanking: nichts löschen. Erst sichern, dann geordnet mit Bank/Notar/Erben klären.
- ELSTER/Steuer: notieren, dass ein Zugang existiert (falls vorhanden). Details können später mit Fachhilfe geklärt werden.
- Krankenkasse/Portale: Zugangsdaten nicht wegwerfen – oft kommen Mitteilungen digital.
- Social Media: keine Eile. Später kann man Konten memorialisieren oder schließen.
8) Wen zuerst informieren? (Deutschland – pragmatische Reihenfolge)
Priorität ist: Leistungen korrekt stoppen/umstellen + Zahlungen/Forderungen verstehen.
Priorität A (Woche 1, wenn möglich)
- Krankenkasse (Versichertendaten, ggf. Sterbegeld/Leistungen – abhängig von Kasse/Altverträgen).
- Deutsche Rentenversicherung / Versorgungsträger (Witwen-/Witwerrente, Waisenrente – je nach Situation).
- Arbeitgeber (Lohn/Urlaub, Sterbegeldleistungen, betriebliche Altersvorsorge).
- Banken (Konto-/Kartenabsicherung; Ablauf für Nachlass/Bestattungskosten erfragen).
- Versicherungen (Leben, Unfall, Hausrat, Kfz).
Priorität B (in der Woche danach)
- Vermieter/Hausverwaltung, Strom/Gas/Wasser, Telefon/Internet, Abos
- Mitgliedschaften, Vereine, Digitaldienste
9) Nachlass: erste sichere Schritte (Testament, Nachlassgericht, Erbschein)
Nicht alles sofort – aber die Weichen stellen.
- Testament suchen (auch im Bankschließfach/bei Notar). Ein notarielles Testament kann den Erbschein ersetzen (oft, nicht immer).
- Testament abgeben: Gefundene Testamente gehören zum Nachlassgericht (zuständig ist meist das Amtsgericht).
- Erbschein: wird häufig benötigt, wenn kein (ausreichendes) notarielles Testament vorliegt oder Stellen ihn verlangen.
- Schulden/Haftung: Wenn Sie die finanzielle Lage nicht kennen, handeln Sie vorsichtig. Bei Unsicherheit rechtlich beraten lassen (Erbausschlagung kann relevant sein; oft 6-Wochen-Frist ab Kenntnis).
Häufige Fragen (Deutschland)
Kurzantworten, die Unsicherheit reduzieren.
Wie viele Sterbeurkunden brauche ich?
Viele Familien bestellen mehrere beglaubigte Sterbeurkunden, weil Banken, Versicherungen und Behörden oft Originale sehen wollen. Wenn Sie unsicher sind: eher mehr als zu wenig – nachbestellen kostet Zeit.
Muss ich sofort alles kündigen?
Nein. In Woche 1 geht es um Stabilität: Wohnung/Post sichern, wichtige Stellen informieren, Zugänge bewahren. Kündigungen können später geordnet erfolgen.
Was ist das “Minimum” für heute, wenn ich nicht mehr kann?
Ärztliche Feststellung organisieren, Anweisungen befolgen, Haustiere/Schlüssel/Post sichern, eine Person zum Kommunizieren bestimmen. Dann Pause. Das reicht für heute.
Nächste Schritte
Wenn Sie bereit sind, gehen Sie tiefer in die Themen.