Skip to main content
←Velanora Memorial Registry

UnterstĂŒtzung bei Trauer

Trauer ist schwer, weil man sie nicht „reparieren“ kann. Man kann sie nicht vorspulen, und sie verschwindet selten ĂŒber Nacht. FĂŒr viele Menschen verĂ€ndert sich die IntensitĂ€t mit der Zeit — sie kommt seltener oder fĂŒhlt sich anders an — doch die Liebe und das GefĂŒhl des Verlustes können bleiben.

Dieser Österreich-Leitfaden bĂŒndelt praktische Tipps zum Umgang mit Trauer, Hinweise, wann professionelle UnterstĂŒtzung sinnvoll ist, wie Trauer sich anfĂŒhlen kann, sowie eine Liste hilfreicher österreichischer Anlaufstellen und Krisennummern.

FĂŒr praktische nĂ€chste Schritte nach einem Todesfall siehe Was nach einem Todesfall zu tun ist oder zurĂŒck zu AT Hilfe & Beratung.

Dringende Hilfe in Österreich

Wenn Sie sich nicht sicher fĂŒhlen, sich selbst zu schĂŒtzen, oder wenn Sie Gedanken haben, sich das Leben zu nehmen, holen Sie bitte sofort Hilfe.

  • Im akuten Notfall: 112 wĂ€hlen.
  • Vertrauliche Hilfe rund um die Uhr: TelefonSeelsorge unter 142.
  • FĂŒr Kinder und Jugendliche: Rat auf Draht unter 147.
  • Wenn Telefonieren schwer ist: viele Stellen bieten auch Chat-/Online-Beratung ĂŒber ihre Websites.

10 praktische Wege, mit Trauer umzugehen

Trauer lĂ€sst sich nicht wegmachen — aber kleine, konkrete Schritte können den Schmerz ertrĂ€glicher machen und helfen, durch die nĂ€chste Stunde, den nĂ€chsten Tag und die nĂ€chste Woche zu kommen.

  1. GefĂŒhlen Raum geben. Sprechen Sie mit einer Vertrauensperson, schreiben Sie privat, oder nutzen Sie ein Tagebuch.
  2. Den Körper schĂŒtzen. Setzen Sie „Minimum-Ziele“: Wasser, kleine Mahlzeiten, Ruhe, wann immer möglich.
  3. UnterstĂŒtzung in Anspruch nehmen. Auch Zuhören hilft — selbst wenn Sie (noch) nicht erzĂ€hlen möchten.
  4. Praktische Hilfe annehmen. Bitten Sie um UnterstĂŒtzung bei Alltag, Behördenwegen oder Organisation.
  5. Sanfte Bewegung. Ein kurzer Spaziergang oder frische Luft kann Spannungen reduzieren.
  6. Eine kleine Struktur behalten. Schlaf, Essen, ein kurzer Kontakt — Grundstruktur mindert Überforderung.
  7. Ein Hobby (neu oder alt) zulassen. Kreatives oder Körperliches kann Halt geben, ohne „zu verdrĂ€ngen“.
  8. Nicht mit Alkohol/Drogen betÀuben. Kurzfristige Erleichterung kann langfristig alles schwerer machen.
  9. Kontakt halten. Niederschwellige NĂ€he hilft. Wenn Sie lachen: Das ist erlaubt.
  10. Eine Erinnerung schaffen. Foto, Andenken, Erinnerungsbox oder Ritual — Liebe darf bleiben.

Wann Trauer-UnterstĂŒtzung sinnvoll ist

Trauer ist unvorhersehbar und individuell. Professionelle UnterstĂŒtzung kann helfen, wenn Trauer ĂŒberwĂ€ltigend wird oder das Alltagsleben stark beeintrĂ€chtigt.

  • Es fĂ€llt extrem schwer aufzustehen oder den Tag zu beginnen
  • Schmerzhafte GefĂŒhle werden dauerhaft weggedrĂŒckt oder vermieden
  • SelbstfĂŒrsorge (Essen, Schlaf, Hygiene) gelingt kaum
  • Rituale/Abschied werden aus Überforderung vollstĂ€ndig gemieden
  • LĂ€nger anhaltende starke Stimmungsschwankungen und RĂŒckzug
  • StĂ€ndiges „BeschĂ€ftigtsein“ nur, um nicht fĂŒhlen zu mĂŒssen
  • Erinnerungen oder GesprĂ€che werden komplett vermieden
  • Alkohol/Drogen werden hĂ€ufiger genutzt, um „zu funktionieren“
  • Das GefĂŒhl, ohne die verstorbene Person nicht weiterleben zu können
  • AlltĂ€gliche Aufgaben sind dauerhaft nicht mehr möglich

Viele dieser Reaktionen sind in der ersten Zeit nach einem Verlust hĂ€ufig. Wenn sie ĂŒber Wochen oder Monate anhalten oder stĂ€rker werden, kann Trauerberatung, Psychotherapie oder Krisenhilfe entlasten — und UnterstĂŒtzung kann auch noch lange nach dem Verlust sinnvoll sein.

Trauer vs. Depression

Trauer und eine klinische Depression können Ă€hnlich wirken: gedrĂŒckte Stimmung, Erschöpfung, RĂŒckzug, SchlafverĂ€nderungen und Konzentrationsprobleme.

Trauer kommt oft in Wellen und wird durch Daten, Orte, Musik oder Erinnerungen ausgelöst. Depression kann sich eher gleichbleibend und „ohne Pause“ anfĂŒhlen. Wenn Sie anhaltend hoffnungslos, wie betĂ€ubt oder nicht sicher sind, sprechen Sie mit einer Ärztin/einem Arzt oder holen Sie sich dringend Hilfe.

Den Trauerprozess besser verstehen

Es gibt viele Theorien ĂŒber Trauer. Keine davon ist eine feste Regel. Modelle können helfen, typische Muster zu benennen und zu verstehen, wie Trauer Gedanken, GefĂŒhle und Alltag beeinflusst.

HĂ€ufig genannt werden z.B. das Duale Prozessmodell, Aufgaben der Trauer, Meaning-Making (Sinn neu aufbauen) sowie die „fĂŒnf Phasen“ der Trauer.

Die fĂŒnf Phasen der Trauer (Überblick)

Verleugnung, Wut, Verhandeln, Depression und Akzeptanz werden oft als einfache Sprache fĂŒr Trauer genutzt. Sie laufen nicht in fixer Reihenfolge ab und können sich wiederholen. Akzeptanz heißt nicht Vergessen — sondern lernen, mit dem Verlust zu leben.

Trauer nach einem Tod im Zusammenhang mit Alkohol oder Drogen (Österreich)

Jemanden durch Alkohol- oder Drogenkonsum zu verlieren ist erschĂŒtternd. Neben Schock und Traurigkeit können unbeantwortete Fragen, Scham oder Stigma, komplizierte GefĂŒhle und manchmal auch formale AbklĂ€rungen dazukommen. Diese Kombination kann Trauer besonders schwer machen.

Warum sich diese Trauer anders anfĂŒhlen kann

Trauer nach einem Tod im Zusammenhang mit Alkohol oder Drogen kann zusÀtzliche Schichten haben:

  • Plötzlichkeit und mögliche Traumatisierung
  • Viele offene Fragen („Warum?“, „HĂ€tte ich
?“)
  • Stigma, Bewertungen oder Schweigen im Umfeld
  • Komplexe Beziehungen, wenn AbhĂ€ngigkeit Teil der Geschichte war
  • ZusĂ€tzlicher Stress durch Behördenwege, AbklĂ€rungen oder Öffentlichkeit

Das macht Ihre Trauer nicht „weniger richtig“ — es bedeutet nur, dass Sie möglicherweise andere, passgenauere UnterstĂŒtzung brauchen.

ZusÀtzliche Verluste und Trauer unter Stigma

ZusÀtzliche Verluste (mehrfach trauern)

Wenn Sucht Teil eines Lebens war, beschreiben viele Angehörige, dass sie „schon vorher“ Verlust erlebt haben: den Menschen, wie er frĂŒher war, die Beziehung, die man sich gewĂŒnscht hĂ€tte, oder StabilitĂ€t, die immer wieder zerbricht. Nach dem Tod kann diese Vorgeschichte die Trauer zusĂ€tzlich erschöpfen und verwirren.

Trauer unter Stigma (wenn andere keinen Raum geben)

Manchmal reagieren Menschen mit Schweigen oder Urteilen. Das kann dazu fĂŒhren, dass man „leise“ trauert oder sich nicht traut, ĂŒber die UmstĂ€nde zu sprechen. Ihre Trauer ist real und verdient UnterstĂŒtzung.

Was Sie fĂŒhlen könnten (und warum das normal ist)

Trauer ist nicht nur Traurigkeit. Viele erleben eine Mischung, die sich schnell verÀndert:

  • BetĂ€ubung / Schock — unreal, leer, „wie neben sich“
  • Wut — auf UmstĂ€nde, Systeme, andere oder sich selbst
  • SchuldgefĂŒhle — „Wenn ich nur
“
  • Angst — Sorge um andere, innere Unruhe
  • Erleichterung — v.a. nach langer Krise oder Leid
  • Scham — oft durch Stigma ausgelöst, nicht durch „Schuld“

Hinweis zu „Erleichterung“

Erleichterung ist eine hĂ€ufig missverstandene Trauerreaktion. Sie bedeutet nicht, dass Sie die Person nicht geliebt haben. Es kann heißen, dass Leid, Chaos oder Unsicherheit aufgehört haben.

Strategien, die wirklich helfen

Diese Schritte „lösen“ Trauer nicht — aber sie helfen, sie zu tragen.

  1. Geben Sie GefĂŒhlen einen sicheren Ort. Sprechen Sie mit einer Vertrauensperson oder nutzen Sie Beratung/Hotlines.
  2. SchĂŒtzen Sie Ihren Körper. Schlaf, Essen, Trinken — Minimum zĂ€hlt. Bei anhaltenden Problemen medizinisch abklĂ€ren lassen.
  3. Vermeiden Sie BetĂ€ubung durch Substanzen. Wenn das zur BewĂ€ltigung wird: holen Sie frĂŒh UnterstĂŒtzung, ohne sich zu verurteilen.
  4. WĂ€hlen Sie passende Hilfe. Spezialisierte Angebote können entlasten, weil Sie weniger erklĂ€ren mĂŒssen.
  5. Erwartungen senken. Konzentration und Motivation leiden. Vereinfachen Sie den Alltag, delegieren Sie BĂŒrokratie.
  6. Erstellen Sie einen „schweren Tag“-Plan. Eine Person, ein beruhigendes Ritual, ein Ort, eine Hotline.
  7. Schaffen Sie eine sanfte Erinnerungsform. Fotoalbum, Kerze, Brief oder Ritual — Liebe darf weiter existieren.

Wo Sie in Österreich UnterstĂŒtzung bekommen

Wenn Sie sich ĂŒberfordert fĂŒhlen oder jemanden zum Reden brauchen, starten Sie niedrigschwellig:

  • TelefonSeelsorge (142, 24/7) — vertraulich & kostenlos
  • gesundheit.gv.at — offizielle Übersicht zu Krisen- und Notrufnummern
  • Kriseninterventionszentrum (z.B. Wien) — akute psychosoziale Krisen

Weitere Anlaufstellen finden Sie unten.

Anlaufstellen & Hotlines in Österreich

Allgemeine Trauer- & Krisenhilfe

TelefonSeelsorge Österreich (Notruf 142)

Website: www.telefonseelsorge.at

Telefon: 142

24/7, anonym & kostenlos

gesundheit.gv.at — Notrufnummern bei Krise und Suizidgefahr

Website: www.gesundheit.gv.at

trauerbegleiten.at (Bundesarbeitsgemeinschaft Trauerbegleitung)

Website: www.trauerbegleiten.at

Hospiz Österreich

Website: www.hospiz.at

Kinder & Jugendliche

Rat auf Draht (Notruf 147)

Website: www.rataufdraht.at

Telefon: 147

24/7, anonym & kostenlos (Kinder/Jugendliche)

RAINBOWS — Trauerbegleitung fĂŒr Kinder & Jugendliche

Website: www.rainbows.at

Nach dem Verlust einer Partnerin / eines Partners

Caritas Wien — Kontaktstelle Trauer

Website: www.caritas-wien.at

Telefon: 01 51552 3099

Vor Teilnahme an Gruppen: ErstgesprÀch/Terminvereinbarung

Hospiz- und Trauerangebote in Ihrer Region

Website: www.hospiz.at

Nach dem Verlust eines Kindes

Kinderhospiz (Österreich) — Angebote fĂŒr verwaiste Eltern

Website: www.kinder-hospiz.at

TelefonSeelsorge Österreich (Notruf 142)

Website: www.telefonseelsorge.at

Telefon: 142

24/7, anonym & kostenlos

Fehlgeburt, stille Geburt, perinataler Verlust

Verein Pusteblume

Website: www.verein-pusteblume.at

Verein Augenblick — UnterstĂŒtzung von Sternenkind-Eltern

Website: vereinaugenblick.at

FrĂŒhe Hilfen — Informationen zur stillen Geburt

Website: fruehehilfen.at

Suizidkrise / SuizidprÀvention

Notruf 112 (akute Gefahr)

Telefon: 112

TelefonSeelsorge Österreich (Notruf 142)

Website: www.telefonseelsorge.at

Telefon: 142

24/7, anonym & kostenlos

Rat auf Draht (Notruf 147) — fĂŒr Kinder & Jugendliche

Website: www.rataufdraht.at

Telefon: 147

24/7, anonym & kostenlos

Trauer im Zusammenhang mit Alkohol oder Drogen

gesundheit.gv.at — Notrufnummern bei Krise und Suizidgefahr

Website: www.gesundheit.gv.at

Kriseninterventionszentrum Wien

Website: www.kriseninterventionszentrum.at

Telefon: 01 406 95 95

Mo–Fr (Beratungszeiten laut Website), Wien

TelefonSeelsorge Österreich (Notruf 142)

Website: www.telefonseelsorge.at

Telefon: 142

24/7, anonym & kostenlos

LGBTQ+ (niederschwellige UnterstĂŒtzung/Weitervermittlung)

TelefonSeelsorge Österreich (Notruf 142)

Website: www.telefonseelsorge.at

Telefon: 142

24/7, anonym & kostenlos

Regionale psychosoziale Beratungsstellen

Website: www.gesundheit.gv.at

Weitere hilfreiche Stellen

Kriseninterventionszentrum Wien

Website: www.kriseninterventionszentrum.at

Telefon: 01 406 95 95

Hospiz- und Trauerangebote in Ihrer Region

Website: www.hospiz.at

Hinweis: UnterstĂŒtzung annehmen ist StĂ€rke

Hilfe zu suchen bedeutet nicht, dass Sie „nicht zurechtkommen“. Es bedeutet, dass Sie sich in einer der schwierigsten Lebensphasen schĂŒtzen. Trauer muss nicht „gelöst“ werden — aber sie verdient MitgefĂŒhl, Zeit und UnterstĂŒtzung.

Diese AT-Seiten könnten ebenfalls hilfreich sein: Was nach einem Todesfall zu tun ist ‱ Eine Beerdigung planen ‱ Rechtliches ‱ Behörden & Services