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Velanora Memorial Registry

Was tun nach einem Todesfall

Wenn ein Todesfall gerade passiert ist, fühlt sich alles gleichzeitig an. Das ist normal. Du musst heute nicht „alles“ erledigen. Diese Übersicht ist speziell für Österreich – als ruhige, praktische Checkliste für die ersten Stunden, Tage und Wochen.

Minimum für heute (wenn du nur 30–60 Minuten Kraft hast)

Das Wichtigste zuerst – alles andere kann warten.

  • Richtige Hilfe rufen: Bei akuter Gefahr/ungeklärtem Tod 144 (Rettung) oder 112 / 133 (Polizei). Bei erwartetem Tod zu Hause: Arzt/Bereitschaftsdienst/Palliativteam.
  • Totenbeschau organisieren (ärztliche Feststellung) – ohne das geht es formal nicht weiter.
  • Eine Vertrauensperson dazuholen (oder telefonisch „dabeibleiben lassen“).
  • Wohnung sichern: Schlüssel sammeln, Türen/Fenster prüfen, Wertsachen und wichtige Unterlagen beiseitelegen.
  • Eine Person als Familien-Kommunikator bestimmen (Anrufe/WhatsApp, Infos an Familie/Freunde).
  • Wenn möglich: schon jetzt ein Bestattungsunternehmen kontaktieren – du musst noch nichts endgültig entscheiden.
Erlaubnis: Es ist okay, Aufgaben abzugeben. Bitte jemanden, Telefonate, Listen und Termine zu übernehmen. Das ist kein „Versagen“, sondern Schutz.

Österreich-Timeline auf einen Blick

Eine realistische Reihenfolge (Details und Fristen können je nach Bundesland/Ort variieren).

0–6 Std.
Arzt verständigen → Totenbeschau (bei ungeklärtem Tod: Polizei/Behörden).
Tag 1
Bestatter kontaktieren (Überführung/Organisation), erste grobe Entscheidungen (Art der Bestattung, Terminfenster, Aufbahrung).
Tag 1–3
Anzeige beim Standesamt / Eintragung im Register, Sterbeurkunden beantragen (mehrere Ausfertigungen).
Woche 1
Prioritäts-Meldungen: Arbeitgeber, Bank(en), Versicherungen, Vermieter/Genossenschaft, Pension/Sozialversicherung; Post/Wohnung/Haustiere stabilisieren.
Woche 2–6
Nachlass „ordnen“: Unterlagen, Vermögen/Schulden, digitale Konten; ggf. Notar/Anwalt.
1–3 Mon.
Verlassenschaft: Termine/Schritte mit Gerichtskommissär (Notar) bzw. Gericht; Verteilung/Regelungen – je nach Komplexität.
Wichtig: Wenn Ermittlungen/Obduktion laufen, kann sich alles verschieben. Frage konkret: „Was darf ich schon vorbereiten, und was braucht Freigaben?“

1) Die ersten Stunden – der Ablauf hängt vom Sterbeort ab

Wo der Tod eingetreten ist, bestimmt die nächsten Schritte.

  • Zu Hause (erwarteter Tod): Hausarzt, Bereitschaftsdienst oder Palliativteam verständigen – Totenbeschau veranlassen.
  • Zu Hause (plötzlich/ungeklärt): 144 (Rettung) und/oder 112 / 133 (Polizei). Es kann behördlich abgeklärt werden.
  • Im Krankenhaus: Personal organisiert die Feststellung und erklärt die nächsten Schritte.
  • Im Pflegeheim: Einrichtung kontaktiert Arzt und informiert dich über Ablauf/Unterlagen.
Tipp: Bitte jemanden, Namen/Uhrzeiten/Anweisungen mitzuschreiben. In Stressmomenten vergisst man Details.

2) Totenbeschau (ärztliche Feststellung) + mögliche Ermittlungen

Ohne Totenbeschau sind Anzeige beim Standesamt und Bestattungsschritte meist nicht möglich.

In Österreich wird der Tod im Rahmen der Totenbeschau offiziell festgestellt. Wenn der Tod ungeklärt, gewaltsam, ungewöhnlich oder plötzlich ist, können Polizei und Staatsanwaltschaft involviert sein.

  • Bei Ermittlungen kann die Überführung/Bestattung zeitlich gebunden sein (Freigaben abwarten).
  • Frage direkt: „Gibt es Einschränkungen? Darf ein Bestatter schon kommen? Was ist der nächste Schritt?“
  • Ein Bestattungsunternehmen hilft häufig, Abläufe mit Behörden zu koordinieren.
Praxis: Verändere die Situation am Sterbeort nicht unnötig, bis klar ist, ob Ermittlungen/Anordnung vorliegen.

Während du wartest (ohne große Entscheidungen) – Checkliste

Diese Schritte geben Stabilität, ohne dass du heute alles regeln musst.

  • Wohnung/Mietobjekt sichern: Türen/Fenster, Schlüsselbestand, Wertsachen und wichtige Dokumente sammeln.
  • Briefkasten/Post: In Mehrparteienhäusern (z.B. Gemeindebau/Altbau) Post täglich holen lassen – schützt vor Identitäts- und Kontenmissbrauch.
  • Haustiere: Betreuung, Futter, Tierarztkontakte sichern.
  • „Sichtbare Dokumente“ in eine Mappe: Ausweis, e-card, Heiratsurkunde, Versicherungsunterlagen, Bankkarten, Mietvertrag, Kfz-Papiere, Notarunterlagen.
  • Familienkommunikation: Eine Person beantwortet Nachrichten/Anrufe und koordiniert Infos.
  • Eine Liste starten: „Muss diese Woche“ vs. „kann später“.
Mini-Tipp: Wenn möglich, fotografiere wichtige Unterlagen (nur für dich), Meterstände und das, was du später für Versicherungen brauchst.

3) Anzeige beim Standesamt + Sterbeurkunden

Die Beurkundung ist die Grundlage für viele weitere Schritte.

Nach der Totenbeschau muss der Todesfall beim zuständigen Standesamt angezeigt werden (oft übernimmt das Bestattungsunternehmen). Danach kannst du Sterbeurkunden (Registerauszug Tod) erhalten.

  • Mehrere Sterbeurkunden sind in der Praxis sehr hilfreich (Banken, Versicherungen, Arbeitgeber, Behörden).
  • Kläre: Wer meldet? Welche Unterlagen fehlen noch? Wann kannst du Urkunden abholen/bestellen?
  • Manche Städte/Gemeinden haben eigene Abläufe (z.B. nächste Werktage, Online-Nachbestellung).
Frage, die Zeit spart: „Wie viele Ausfertigungen empfehlen Sie üblicherweise – und kann ich später unkompliziert nachbestellen?“

4) Bestattung organisieren (ohne Kostenfalle)

Art der Bestattung, Aufbahrung, Trauerfeier – Schritt für Schritt.

In Österreich ist es üblich, ein Bestattungsunternehmen zu beauftragen, das Überführung, Organisation und Formalitäten koordiniert. Die genauen Fristen und Regeln sind je nach Bundesland unterschiedlich.

  • Entscheidung: Erdbestattung oder Feuerbestattung.
  • Aufbahrung (zu Hause/Bestattungshaus), Ort der Trauerfeier, Redner/Pfarrer, Musik, Parte, Blumenschmuck, Transporte.
  • Kostenvoranschlag verlangen: „Basis“, „klassisch“, „umfangreich“ – mit klaren Einzelposten.
Gute Frage an den Bestatter: „Welche Leistungen sind zwingend – und wo habe ich echte Wahlmöglichkeiten?“ (Das schützt vor unnötigen Zusatzkosten.)

5) Kosten-Orientierung (realistisch & transparent)

Beträge variieren stark nach Ort, Friedhof, Leistungspaket und Wünschen.

  • Einfach bis klassisch: Kosten hängen an Friedhofsgebühren, Grabstelle, Kremation, Sarg/Urne, Aufbahrung, Trauerfeier, Drucksorten, Transporte.
  • Gemeinde-/Friedhofsgebühren können je nach Bundesland und Gemeinde stark unterschiedlich ausfallen.
  • Versicherungen: Prüfe, ob eine Sterbe-/Bestattungsvorsorge oder Lebensversicherung existiert – und ob es eine Bezugsberechtigung gibt.
  • „Schlicht, aber würdig“ ist möglich: Bitte explizit um eine Minimal-Variante mit transparenten Posten.
Wichtig: Lass dich nicht zu „sofort bezahlen“ drängen. Seriöse Anbieter erklären dir Leistungen schriftlich und nachvollziehbar.

6) Schutz vor Betrug & finanzielle Stabilisierung (Woche 1)

Gerade jetzt sind Menschen besonders angreifbar – diese Schritte verhindern Schaden.

  • Banken informieren: Frage, welche Unterlagen benötigt werden und wie mit Konten, Karten, Daueraufträgen/Einzügen umgegangen wird.
  • Post & Identität schützen: Post täglich sichern, keine Dokumente offen liegen lassen, Zugänge nicht weitergeben.
  • „Erbschleicherei“-Warnzeichen: Druck, Geheimhaltung, „du musst sofort unterschreiben“, plötzliche neue „Freunde“, unklare Vollmachten → Stopp + zweite Meinung.
  • Bestattungskosten-Tricks: Extra-Pakete, unklare Zuschläge, „Pflicht“-Behauptungen. Immer schriftliche Aufstellung verlangen.
Regel: Bei Geld, Verträgen und Zugängen immer „eine Nacht drüber schlafen“, wenn es nicht wirklich dringend ist.

7) Digitale Konten (ID Austria/Handy-Signatur, FinanzOnline, Banking, 2FA)

Oft unterschätzt – aber enorm wichtig für Sicherheit und Verwaltung.

  • Telefon & E-Mail sichern: Wenn du Zugriff hast, Passwörter ändern, 2FA prüfen, SIM/Device schützen. Keine TANs/Passcodes weitergeben.
  • Online-Banking: Behandle Zugangsdaten wie Bargeld. Bei Unsicherheit: Bank kontaktieren und Sicherheitsschritte erfragen.
  • ID Austria / Handy-Signatur: Notiere, ob es genutzt wurde, und plane die Klärung für Woche 2–6 (wenn es heute zu viel ist).
  • FinanzOnline: Steuer-Themen laufen digital – sammle Briefe/Infos und lege sie in eine „Steuern“-Mappe.
  • Soziale Medien/Cloud: Entscheide, wer sich um Profile, Fotos und Daten kümmert (und dokumentiere das).
Praktisch: Starte ein Dokument „Digitale Liste“ (E-Mail, Bank, Handyvertrag, Streaming, Cloud, wichtige Apps). Das erspart dir später Suche unter Stress.

8) Wichtige Stellen verständigen (Priorität vor Vollständigkeit)

Viele Dinge müssen nicht am ersten Tag passieren – aber diese sind häufig früh relevant.

  • Arbeitgeber (Freistellung, Ansprüche, Lohn/Abrechnung, Betriebs-Pension).
  • Versicherungen (Haushalt, Kfz, Leben, Rechtsschutz – je nach Fall).
  • Vermieter/Genossenschaft (bei Mietobjekt), Hausverwaltung.
  • Energie/Telefon/Internet (wenn Verträge umgestellt/gekündigt werden müssen).
  • Pension/Sozialversicherung (Hinterbliebenenleistungen – siehe Hinweise unten).
Empfehlung: Eine Liste mit Datum, Kontakt, Aktenzeichen und „Nächster Schritt“ spart enorm Zeit und verhindert doppelte Telefonate.

9) Österreich-spezifische Leistungen/Ansprüche (Überblick)

Je nach Situation können Leistungen zustehen – kläre das in Ruhe in Woche 1–3.

  • Hinterbliebenenpension / Witwen-/Witwerpension (je nach Voraussetzungen).
  • Waisenpension (bei Kindern/Jugendlichen).
  • Unterstützung durch Gemeinde kann in Ausnahmefällen möglich sein (regional unterschiedlich).
  • Versicherungsleistungen (Lebensversicherung, betriebliche Vorsorge, Bestattungsvorsorge).
Tipp: Wenn du unsicher bist, ob Ansprüche bestehen: erst Informationen sammeln (Unterlagen, Versicherungsnummern), dann gezielt nachfragen – nicht alles „ins Blaue“ telefonieren.

10) Nachlass (Verlassenschaft) – erste Schritte ohne Überforderung

Ziel: Überblick statt sofortiger Entscheidungen.

  • Testament/Notar: Suche nach Testament, Notariatsakten, Dokumentenmappe, Safe-Hinweisen.
  • Inventar: Vermögen (Konten, Sparbücher, Wertpapiere, Auto, Immobilien) und Schulden (Kredite, offene Rechnungen) grob auflisten.
  • Wohnung & Versicherungen: Leerstand/Veränderungen können Versicherungsbedingungen beeinflussen – früh klären.
  • Konflikt oder Schuldenverdacht: Hol dir früh professionelle Hilfe, bevor du etwas unterschreibst.
In Österreich läuft die Verlassenschaft typischerweise über Gericht/Notar (Gerichtskommissär). Das kann schnell oder komplex sein – je nach Vermögen, Schulden und Familienkonstellation.

11) Notfall- & Unterstützungsnummern (Österreich)

Für Sicherheit, medizinische Hilfe und seelische Akut-Unterstützung.

  • 144 Rettung (medizinischer Notfall)
  • 112 Euro-Notruf
  • 133 Polizei
  • 122 Feuerwehr
  • 141 Ärztenotdienst (regional/zeitlich unterschiedlich)
  • 142 TelefonSeelsorge (wenn es seelisch gerade nicht geht)
  • 1450 Gesundheitshotline (nicht akut lebensbedrohlich)
Wenn du dich „wegkippend“ fühlst: Bitte sofort jemanden zu dir oder ruf 142/144. Du musst da nicht alleine durch.

Häufige Fragen

Kurze Antworten zur Orientierung.

Wie viele Sterbeurkunden brauche ich?

Meist mehrere. Banken, Versicherungen und Behörden verlangen oft Originale oder beglaubigte Auszüge. Es ist sinnvoll, gleich mehrere zu bestellen.

Ist ein Bestatter verpflichtend?

Nicht immer „rechtlich“, aber praktisch sehr üblich – vor allem wegen Überführung, Fristen, Dokumenten und Organisation. Ein seriöser Bestatter erklärt dir deine Optionen transparent.

Was passiert bei behördlichen Ermittlungen?

Dann können bestimmte Schritte (Überführung/Bestattung) Freigaben benötigen. Frage, was du bereits vorbereiten darfst, und wer dein offizieller Ansprechpartner ist.

Was ist der häufigste Fehler in Woche 1?

Unter Druck Geld/Verträge/„Vollmachten“ zu unterschreiben oder digitale Codes weiterzugeben. Bei Unsicherheit: pausieren und eine zweite Person mitdenken lassen.

Nächste Schritte

Velanora stellt praktische Informationen bereit und ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung. Bei komplexen Fällen (Schulden, Konflikte, Auslandsbezug) ist professionelle Hilfe sinnvoll.