Österreich · Rechtsratgeber
Verlassenschaft, Erben, Pflichtteil, Schulden & Steuern in Österreich
Diese Seite erklärt die wichtigsten rechtlichen Schritte nach einem Todesfall in Österreich: was zur Verlassenschaft gehört, wer das Verfahren führt (Bezirksgericht und Gerichtskommissär/Notar), wann und wie die Einantwortung erfolgt, wie Schulden abgewickelt werden, wie gemeinsames Eigentum und Konten typischerweise behandelt werden und welche Steuern dennoch relevant sein können (auch ohne Erbschaftsteuer). Zusätzlich finden Sie Hinweise zu Testament finden, gesetzlicher Erbfolge (wenn kein Testament vorhanden ist),Pflichtteil, Streitfällen sowie Vorsorge-Themen.
Kurze Zusammenfassung (Österreich)
In Österreich wird der Nachlass im Verlassenschaftsverfahren abgewickelt. Das Bezirksgericht führt das Verfahren in der Regel über einen Gerichtskommissär (meist ein Notar). Vermögen und Schulden werden erhoben, Erben geben eine Erbantrittserklärung ab, und am Ende bestätigt derEinantwortungsbeschluss, wer zu welcher Quote erbt. Aus der Verlassenschaft werden zuerst Kosten, offene Forderungen und ggf. Steuern bezahlt – erst danach erfolgt die Verteilung an Erben bzw. Pflichtteilsberechtigte.
Wenn ein Todesfall mehrere Länder berührt (Auslandsvermögen, Auslandssitz, mehrere Staatsangehörigkeiten), wird es schnell komplex – hier ist frühe rechtliche Beratung meist sinnvoll.
Begriffe
Kurze Definitionen rund um Erben und Verlassenschaft in Österreich.
Verlassenschaft (Nachlass): das gesamte Vermögen und alle Verbindlichkeiten einer verstorbenen Person.
Verlassenschaftsverfahren: gerichtliches Verfahren zur Feststellung von Vermögen/Schulden und zur Übertragung an die Erben.
Bezirksgericht: zuständiges Gericht für die Verlassenschaft (meist am letzten Wohnsitz der verstorbenen Person).
Gerichtskommissär: vom Gericht beauftragte Person (häufig Notar), die das Verfahren praktisch führt, Daten erhebt und Schriftstücke erstellt.
Erbantrittserklärung: Erklärung, mit der jemand als Erbe in das Verfahren eintritt (typischer Schritt im Verfahren).
Einantwortung / Einantwortungsbeschluss: gerichtliche Übertragung der Verlassenschaft an die Erben; im Beschluss steht, wer zu welcher Quote erbt.
Pflichtteil: Mindestanspruch naher Angehöriger, der in Österreich grundsätzlich als Geldanspruch ausgestaltet ist (Details unten).
Erben & Verfahrensbeteiligte
Wer im Verfahren welche Rolle hat – und was Erben typischerweise tun müssen.
Anders als in manchen Ländern läuft die Nachlassabwicklung in Österreich typischerweise über ein gerichtliches Verfahren. Der Gerichtskommissär erhebt Vermögen/Schulden, klärt Erben und erstellt die notwendigen Schritte bis zur Einantwortung.
Typische Aufgaben (praktisch)
Wenn mehrere Personen betroffen sind (z.B. Kinder aus verschiedenen Beziehungen, Streit, Ausland), ist frühzeitige rechtliche Beratung oft die schnellere und sicherere Lösung.
Was gehört zur Verlassenschaft?
Welche Vermögenswerte und Verbindlichkeiten typischerweise erfasst werden.
Dazu zählen oft
Schulden und Kosten werden zuerst berücksichtigt
Aus der Verlassenschaft werden in der Regel zuerst Verfahrens- und Bestattungskosten sowie offene Schulden beglichen. Erst danach wird der verbleibende Nachlass verteilt.
Sterbefall: Dokumente & erste Schritte
Was in Österreich häufig früh gebraucht wird (ohne unnötige Details).
Ein Bestatter unterstützt häufig bei organisatorischen Abläufen. Parallel kann es sinnvoll sein, rasch Unterlagen zu sichern und Zahlungsströme zu verstehen, damit keine unnötigen Kosten entstehen.
Organisationen informieren (AT)
Praktische Checkliste – je nach Lebenssituation können andere Stellen relevant sein.
Häufig zu informieren
Öffentliche Stellen (Beispiele)
Tipp: Eine Liste mit „wer wurde informiert, wann, mit welcher Referenznummer“ spart später enorm Zeit.
Schulden nach dem Tod
Wie Schulden typischerweise behandelt werden – und wann Angehörige haften können.
Wer bezahlt offene Schulden?
Grundsätzlich werden Schulden aus der Verlassenschaft bezahlt. Angehörige müssen Schulden in der Regel nicht aus eigener Tasche bezahlen, außer sie sind selbst verpflichtet (z.B. als Mitkreditnehmer oder Bürge).
Wenn Schulden höher sind als das Vermögen
Ist die Verlassenschaft überschuldet, ist besonders vorsichtiges Vorgehen wichtig. In solchen Fällen sollten Erben vor übereilten Schritten (z.B. voreilige Verteilung/Entnahmen) rechtlichen Rat einholen.
Gemeinsame Verpflichtungen
Gemeinsame Konten & gemeinsames Eigentum
Was bei gemeinsam gehaltenen Vermögenswerten häufig gilt – und wann dennoch Unterlagen nötig sind.
Gemeinschaftskonten
Bei Gemeinschaftskonten hängt die praktische Handhabung von Bank und Kontovereinbarung ab. Banken verlangen meist Sterbeurkunde und weitere Unterlagen, und können bis zur Klärung des Nachlasses Einschränkungen vornehmen. Im Zweifel direkt bei der Bank nachfragen, was konkret benötigt wird.
Gemeinsames Eigentum (insbesondere Immobilien)
Bei Immobilien und anderen gemeinsam gehaltenen Vermögenswerten ist die genaue rechtliche Konstruktion entscheidend (Anteile, Eintragungen, Verträge). Häufig sind für Umschreibungen Nachweise aus dem Verlassenschaftsverfahren (z.B. Einantwortung) erforderlich.
Immobilien, Hypothek & Verkauf
Wenn eine Immobilie Teil der Verlassenschaft ist: typische Fragen und nächste Schritte.
Gehört eine Immobilie zum Nachlass, sind meist Grundbuchfragen, laufende Kosten und ggf. eine Finanzierung zu klären. Kreditgeber erwarten in der Regel, dass Raten weiter bedient werden oder eine Lösung (Übernahme, Refinanzierung, Verkauf) gefunden wird.
Wenn verkauft wird
Bei Verkauf wird eine Hypothek üblicherweise aus dem Verkaufserlös abgedeckt. Welche Dokumente für den Verkauf nötig sind, hängt vom Eigentumstitel und vom Stand des Verlassenschaftsverfahrens ab.
Immobilienübertragungen können in Österreich auch steuerliche Themen auslösen (siehe Abschnitt „Steuern“).
Kleine Verlassenschaften
Wann Abläufe vereinfachter sein können.
Bei kleineren Nachlässen können einzelne Stellen (z.B. Banken) unter Umständen vereinfachte Nachweise akzeptieren. Schwellenwerte und Anforderungen variieren jedoch. Fragen Sie jeweils konkret nach, welche Unterlagen erforderlich sind.
Auch bei „klein“ gilt: Schulden, Kosten und Pflichten sollten zuerst geklärt werden, bevor Geld verteilt oder Dinge endgültig übertragen werden.
Verlassenschaftsverfahren & Einantwortung
Was im Verfahren typischerweise passiert – Schritt für Schritt in verständlichem Deutsch.
Typischer Ablauf (vereinfacht)
Was der Einantwortungsbeschluss praktisch bewirkt
Der Einantwortungsbeschluss ist häufig der entscheidende Nachweis, um Vermögen zu übertragen (z.B. Banken/Depots, Umschreibungen). Welche Stellen was genau verlangen, variiert – der Beschluss ist aber meist ein zentrales Dokument.
Steuern (Österreich)
Keine Erbschaftsteuer – aber es gibt dennoch steuerliche Berührungspunkte.
Keine Erbschaftsteuer
In Österreich wird grundsätzlich keine Erbschaftsteuer mehr erhoben. Trotzdem können bei bestimmten Vermögensübertragungen und Einkünften steuerliche Pflichten entstehen.
Typische steuerliche Themen (je nach Fall)
Steuern hängen stark vom Einzelfall ab. Bei Immobilien, Unternehmen oder Auslandsbezug ist professionelle Beratung meist sinnvoll.
Testament finden
Wo in Österreich Testamente oft liegen – und wie Sie systematisch suchen.
Wenn unklar ist, ob überhaupt ein Testament existiert oder wo es hinterlegt ist, kann der Gerichtskommissär im Verfahren Hinweise geben, welche Schritte sinnvoll sind.
Kein Testament: gesetzliche Erbfolge
Was „gesetzliche Erbfolge“ bedeutet – und warum es in der Praxis kompliziert werden kann.
Gibt es kein gültiges Testament, greift die gesetzliche Erbfolge. Wer erbt und in welchen Anteilen, hängt von der Familienkonstellation ab (z.B. Ehe/Partner, Kinder, Eltern).
Häufige Stolpersteine
Pflichtteil
Mindestanspruch naher Angehöriger – häufig als Geldanspruch.
In Österreich schützt der Pflichtteil bestimmte nahe Angehörige. Der Pflichtteil entspricht grundsätzlich der Hälfte des gesetzlichen Erbteils. In der Praxis wird der Pflichtteil oft als Geldanspruch gegen die Erben erfüllt, nicht automatisch als „Miteigentum“ an konkreten Gegenständen.
Warum das wichtig ist
Streitfälle & Anfechtung
Wenn es Konflikte gibt: typische Gründe und sichere erste Schritte.
Die meisten Verlassenschaften werden ohne großen Streit abgewickelt. Konflikte entstehen aber häufig bei unklaren Zusagen, Patchwork-Familien oder Zweifeln an der Testierfähigkeit bzw. am Zustandekommen eines Testaments.
Sinnvolle erste Schritte
Anwalt/Notar: wann lohnt sich professionelle Hilfe?
Wann Selbstabwicklung realistisch ist – und wann Hilfe meist Zeit und Risiko spart.
Bei einfachen Fällen mit klaren Verhältnissen kann vieles zügig laufen. Bei komplexen Vermögen, Streit, Auslandsbezug oder Pflichtteilskonflikten ist professionelle Unterstützung oft die sicherste Option.
Häufig „komplex“
Haustiere
Was praktisch hilft, wenn jemand ein Tier hinterlässt.
Für Haustiere ist es am wichtigsten, schnell eine verlässliche Betreuung zu organisieren. Wünsche sollten möglichst schriftlich festgehalten werden (z.B. in Testament oder „Wunschbrief“) – idealerweise nach vorheriger Absprache mit der betreuenden Person.
Vorsorge
Kleine Schritte, die Angehörigen später sehr helfen.
Digitaler Nachlass
E-Mail, Social Media, Fotos, Abos, Onlinekonten – so vermeiden Sie Chaos.
Digitale Konten sind oft der Schlüssel zu Rechnungen, Fotos und Verträgen. Anbieter haben unterschiedliche Regeln, und ohne Vorbereitung dauert alles länger.
Häufige Fragen (Österreich)
Gibt es in Österreich eine Erbschaftsteuer?
Grundsätzlich wird in Österreich keine Erbschaftsteuer mehr erhoben. Dennoch können je nach Vermögensart (z.B. Immobilien) und je nach Fall Abgaben/Steuern relevant sein. Bei komplexen Fällen lohnt sich Steuerberatung.
Müssen Angehörige Schulden aus eigener Tasche bezahlen?
Normalerweise werden Schulden aus der Verlassenschaft bezahlt. Angehörige haften in der Regel nur dann persönlich, wenn sie selbst verpflichtet sind (z.B. Mitkreditnehmer, Bürge).
Was ist die Einantwortung?
Die Einantwortung ist die gerichtliche Übergabe der Verlassenschaft an die Erben. Der Einantwortungsbeschluss ist häufig das zentrale Dokument, um Vermögen zu übertragen.
Was bedeutet Pflichtteil?
Der Pflichtteil ist ein Mindestanspruch naher Angehöriger. Er beträgt grundsätzlich die Hälfte des gesetzlichen Erbteils und wird häufig als Geldanspruch erfüllt.
Was tun, wenn es Streit gibt?
Nicht vorschnell verteilen oder verkaufen. Überblick schaffen, Kommunikation dokumentieren und bei ernsthaften Zweifeln früh Rechtsberatung einholen – besonders bevor irreversible Schritte gesetzt werden.
Rechtlicher Hinweis
Diese Seite bietet allgemeine Informationen zum Erbrecht und zur Nachlassabwicklung in Österreich und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Rechtslage und Vorgehen hängen vom Einzelfall ab. Wenn Sie unsicher sind, ein Streit droht oder Vermögen/Schulden komplex sind, wenden Sie sich bitte an eine qualifizierte Fachperson in Österreich.